Das Ende des ewigen Widerrufsrechts

Der Wegfall des unbegrenzten „Widerrufsjokers“ durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie der EU

Die Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie der EU in deutsches Recht zum 21.03.2016 hat einige Änderungen mit sich gebracht. Auch für die Beratung von Immobiliendarlehen.

Doch was der deutsche Gesetzgeber über die Richtlinie hinaus geregelt hat, dürfte die Banken freuen und vielleicht den einen oder anderen Unentschlossenen zur Eile treiben.

Denn bei in der Regel zwischen dem Jahr 2002 und 2010 abgeschlossene Immobilienkreditverträgen ist die Wahrscheinlichkeit da, dass die Widerrufsbelehrung – zumindest nach der geltenden Rechtsprechung – fehlerhaft war und damit faktisch nicht erfolgte. D.h., die betroffenen Darlehen können noch heute widerrufen werden.

Die Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie der EU in deutsches Recht

Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Der Widerruf ist dann attraktiv, wenn der heutige Anschlusszins deutlich niedriger ist, als der damals vereinbarte Zins. Dies wird wohl in der Regel so sein. (Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Anwalt oder Finanzierungsberater Ihres Vertrauens).

Voraussetzung für einen Widerruf ist eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung. Weicht die Widerrufsbelehrung im Darlehensvertrag inhaltlich oder in der äußeren Gestaltung – auch nur geringfügig – ab, kann dies schon ausreichend dafür sein, dass hier eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung vorliegt.

Wer vergleichen will: die Musterwiderrufsbelehrungen finden sich im Internet. In dem betroffenen Zeitraum gab es verschiedene Muster. Eine mögliche Quelle, ohne Gewähr für die Richtigkeit, findet sich unter:

http://widerruf-darlehen.ra-willers.de/musterwiderrufsbelehrung.php

Ab dem 21.03.2016 gilt nun, dass bei abgeschlossenen Immobilienkrediten das Widerrufsrecht spätestens ein Jahr und 14 Tage nach Abschluss des Vertrags erlischt – und dies auch für Altfälle!

Nach öffentlichen Aussagen von Rechtsanwälten soll dann ein Widerruf von Altfällen nur noch bis zum 21.06.2016 möglich sein.

Rechtlich ist ein Widerruf einwandfrei möglich. Moralisch, aus der Sicht der Banken, bedenklich. Denn schon eine Kleinigkeit der Abweichung – ohne böse Absicht, vielleicht nur, um das Ganze verständlicher zu gestalten – führt zu dieser Problematik. Kein Wunder, dass viele Banken dann verschnupft reagieren und sich in jedem Einzelfall sogar verklagen lassen. Es soll auch Banken geben, die Neukunden, die aus diesem Grunde eine Anschlussfinanzierung suchen, nicht haben wollen. Bis ein Rechtsstreit entschieden ist, besteht ein Zinsänderungsrisiko für die folgende Finanzierung. Denn dies lässt sich nun wirklich nicht vorher schon sichern.

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