Ahnungslose Journalisten – Zinsvergleich

Als nun wirklich freier Finanzierungsvermittler versuche ich den Markt der Baufinanzierungen zu verstehen. Ich gebe ja zu, er ist eher intransparent und es gibt nirgendwo einen vollständigen Überblick, auch, weil hinter jedem Geschäft ein Mensch als Entscheidungsträger steht.

Was ich seit meiner Selbständigkeit allerdings beobachte, ist, dass auch Verbraucherschützer und Journalisten, sei es in Print, Hörfunk oder Fernsehen, für den Insider oft erschreckende Unkenntnis offenbaren.

Hierzu ein Beispiel, auch aus der Tageszeitung: Gelegentlich veröffentlicht die Aachener Zeitung unter der Überschrift „Annuitätendarlehen“ Effenktivzinssätze, die unter bestimmten Bedingungen gelten sollen (Kreditsumme T€ 200, 2,5% Tilgungssatz bei einem Beleihungsauslauf von 60% – im Plattformgeschäft übersetzt: eine vom Kaufpreis gerechnete 60%-Finanzierung). (Mal abgesehen davon, dass es auch regionale Preisunterschiede gibt und hier nicht erkennbar ist, wo finanziert werden soll.)

Der Hit ist: Als Quelle wird biallo.de genannt. Eine vermutlich nicht aus Altruismus betriebene Webseite. Vermutlich müssen hier die vertretenen Anbieter – wie werden die ausgewählt und was müssen die dafür zahlen, um hier vertreten zu sein? – für jeden „Klick“ bezahlen.

Jetzt kommt dann noch die Unkenntnis – ich hoffe, es ist tatsächlich nur Unkenntnis und hat keinen anderen Grund – der Zeitungsmacher dazu. Es werden nicht nur Direktkreditanbieter mit Zinssätzen genannt – die hier auf der Plattform – wie auch immer – angegeben werden (und wenn es auch Lock-Konditionen sind) – sondern auch REINE Kreditvermittler – wie z.B. die Interhyp. Die Interhyp vergibt keine eigenen Kredite, sie vermittelt nur wie ich auch. Dann wird die 1822direkt genannt. Eine Tochter der Frankfurter Sparkasse, wenn man sich mehr als 5 Sekunden damit beschäftigt, kommt man darauf. Wenn hier vermutlich auch auf Kreditmittel der Frankfurter Sparkasse zurück gegriffen wird – ggf. indirekt, ist aber auch klar: Kreditvermittler. Auch ist mir die Postbank (wie auch die Santander) als unmittelbarer Kreditgeber für Baufinanzierungen noch nicht aufgefallen, vielmehr aber als Kreditvermittler mit eingeschränkter Anbieterauswahl – wie derzeit die Deutsche Bank, DSL und BHW Bausparkasse – weil in einem Konzern.

Traurig ist, dass hier dann den „großen“ in die Tasche gespielt werden. Ich könnte auch einen tagesaktuellen Vergleichszins liefern, dies über die übergeordneten Marktplattformen ehyp (z.B. Interhyp) und EUROPACE (z.B. Dr. Klein). Nur, diese Marktmacht mit Adwords-Kampangengeld u.s.w. habe ich nicht. Aber wer bezahlt die Werbung? Der Endkunde über den Zinssatz!

Auch wenn der Zinsvergleich in der Zeitung vom 02.12. abgedruckt wurde und ich meine Standartzinssuche heute, am 03.12. durchgeführt habe:

Hier für Zinsbindung 10 Jahre:

Anbieter // Zeitung // TopBaufinanz

ING // 0,82 // 0,61 (Regionalrabatt Frankfurt!)

Interhyp // 0,48 // auf den exakt gleichen Zins komme ich nur bei einem Prokukt, welches den Vorgaben 2,5% Tilgung nicht entspricht!

Ansonsten sind Zinsunterschiede durch unterschiedliche Regionen und unterschiedlichen Provisionserwartungen der Kreditvermittler zu erklären. Aber auch hier gilt: Je länger die Nahrungskette – z.B. bei Strukturvertrieben, Franchise – desto vermutlich teurer wird es.